E-Info: WPN Jahrestagung | Jugendlicher in Wamena gefoltert | Missbrauchsopfer vor Gericht | Katholische Papuas demonstrieren gegen Bischöfe PDF Afdrukken E-mailadres
maandag 03 juli 2017 12:57
Aktuelle Meldungen zu West Papua über Menschenrechte, Politik, Umwelt und Gesellschaft.

WPN Jahrestagung | Jugendlicher in Wamena gefoltert | Missbrauchsopfer vor Gericht | Katholische Papuas demonstrieren gegen Bischöfe

West Papua Netzwerk
Liebe Freundinnen und Freunde des West Papua Netzwerks,
sehr geehrte Damen und Herren,

immer häufiger erreichen uns Nachrichten von jungen Papuas, die zum Opfer vonGewalt durch Sicherheitskräfte werden. Es trifft jedoch nicht nur junge Menschen in Westpapua, sondern auch indigenen Papuas, die in anderen Teilen Indonesiens leben. Zu allem Überfluss sehen sich Gewaltopfer vor Gericht mit Anklagen wegen Gewalt gegen ebendie Sicherheitskräfte konfrontiert, die sie misshandelt haben. Viele Papuas gehen angesichts der Ungerechtigkeit und Gewalt auf die Straße, um zu demonstrieren. Sie klagen auch ihre eigenen Führungspersönlichkeiten an, die ihres Erachtens nicht genug unternehmen, um die Bevölkerung zu schützen. In dieser E-Info weisen wir Sie auch auf die gemeinsame Tagung des WPN und der Westpapua-Partnerschaftsgruppen im Januar 2018 hin. Man kann sich jetzt bereits anmelden!
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In dieser E-Info finden Sie:

Mit herzlichen Grüßen aus der Koordinationsstelle,

Thea Hummel und Norman Voß

WPN Jahrestagung

Westpapua im Pazifik: Traum und Wirklichkeit

Von pazifischer Identität der Papua und der Relativierung von Menschenrechten

altDie Jahrestagung möchte die politische Dimension der aktuellen Entwicklungen transparenter machen und Papua-Bilder sowohl im Lande als auch in der Nord-Süd-Arbeit entmythologisieren. Beiträge von Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen aller beteiligten Seiten machen das Seminar zu einer Fachtagung mit erheblicher Relevanz für die Praxis der Partnerschaftsarbeit, der politischen Arbeit und der Entwicklungszusammenarbeit.

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Jugendlicher in Wamena gefoltert

altMenschenrechtsverteidiger haben berichtet, dass vier Polizeibeamte der Jayawijaya Bezirkspolizei am 16. Juni 2017 einen 15-jährigen Jungen am Potikelek Markt in Wamena verhaftet und anschließend in einem nahegelegenen Polizeiposten gefoltert haben sollen. Die Beamten sollen Alberth Nawipa mit bloßen Händen, Holzstöcken und Gummischlagstöcken an Kopf, Bauch und Rücken geschlagen haben.

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Misshandlungsopfer vor Gericht

Dem Studenten droht eine sechsmonatige Haftstrafe

altStaatsanwälte haben während der Gerichtsverhandlung am 19. Juni 2017 eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis und ein Jahr Bewährung für Obby Kogoya gefordert. Der Papua-Student wurde am 15. Juli 2016 in Yogyakarta (Provinz Zentraljawa) während einer friedlichen Versammlung zur Unterstützung der Vereinten Befreiungsbewegung für Westpapua (ULMWP) vor dem örtlichen Papua-Studentenwohnheim verhaftet.

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Katholiken demonstrieren gegen Bischöfe

altDie fünf Bischöfe der Provinzen Papua und Papua Barat sind unter Druck geraten, weil indigene Papuas ihnen vorwerfen, sie würden angesichts der sozialen Ungerechtigkeit in Westpapua schweigen.
 
Am 14. Juni demonstrierte eine Gruppe katholischer Papuas vor dem Maranatha Waena Kloster in Jayapura, wo die Jahrestagung des Erzbischofs Nicolaus Adi Seputra (Merauke) mit Bishof Leo Laba Ladjar (Jayapura), Bishof Aloysius Murwito (Agats-Asmat), Bishof John Philip Saklil (Timika), und Bishof Hilarion Datus Lega (Manokwari-Sorong) stattfand.

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Jugendlicher in Wamena gefoltert

altMenschenrechtsverteidiger haben berichtet, dass vier Polizeibeamte der Jayawijaya Bezirkspolizei am 16. Juni 2017 einen 15-jährigen Jungen am Potikelek Markt in Wamena verhaftet und anschließend in einem nahegelegenen Polizeiposten gefoltert haben sollen. Die Beamten sollen Alberth Nawipa mit bloßen Händen, Holzstöcken und Gummischlagstöcken an Kopf, Bauch und Rücken geschlagen haben. Daraufhin zwangen die Polizeibeamten Alberth Nawipa den Polizeiposten am Potikelek Markt sauber zu machen. Die Polizisten hatten Alberth verhaftet, weil er angeblich mit Steinen auf den Polizeiposten geworfen haben soll.

Am Abend sah ein Verwandter Alberth zufällig in dem Polizeiposten und brachte ihn daraufhin nach Hause. Gegen 22.30 Uhr überkam Alberth ein starkes Schwindelgefühl und er musste sich erbrechen. Alberths linkes Auge begann anzuschwellen und seine Nase fing an zu bluten. Verwandte brachten Alberth Nawipa aufgrund des Nasenblutens direkt in die Notaufnahme des öffentlichen Krankenhauses von Jayawijaya. Aufgrund des starken Nasenblutens, das bis zum folgenden Tag andauerte, blieb Alberth unter medizinischer Beobachtung im Krankenhaus. Darüber hinaus war Alberth aufgrund schwerer Prellungen, die er während der Folter erlitten hatte, mehrere Tage nicht in der Lage auf dem Rücken zu liegen.



Misshandlungsopfer vor Gericht

Dem Studenten droht eine sechsmonatige Haftstrafe

altStaatsanwälte haben während der Gerichtsverhandlung am 19. Juni 2017 eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis und ein Jahr Bewährung für Obby Kogoya gefordert. Der Papua Student wurde am 15. Juli 2016 in Yogyakarta (Provinz Zentraljawa) während einer friedlichen Versammlung zur Unterstützung der Vereinten Befreiungsbewegung für Westpapua (ULMWP) vor dem örtlichen Papua Studentenwohnheim verhaftet. Obby Kogoya wurde später wegen Verstoßes gegen die Artikel 212, 213 und 351/2 des indonesischen Strafgesetzbuches (KUHP) angeklagt. Die Artikel beziehen sich auf Straftaten der Gewalt gegen Staatsbeamte. Die Sprecherin der Yogyakarta Regionalpolizei, Anny Pudjiastuti behauptete, dass Obby Kogoya einen Polizeibeamten mit einem Pfeil verletzt haben soll. Der Prozess findet derzeit am Bezirksgericht in Yogyakarta statt.

Obby Kogoya bestreitet die Vorwürfe. Darüber hinaus zeigen mehrere Bilder, die von Menschenrechtsverteidigern während Obby Kogoyas Festnahme gemacht wurden, dass Polizeibeamte den Studenten schwer misshandelten. Obby Kogoyas Anwalt Emanuel Gobay sagte in einem Interview, dass die Polizei versuche den Studenten mit der Anklage zu kriminalisieren. Da die Polizei keine Beweise für die Beteiligung an einer Straftat vorgelegen konnte, wurde der Beginn des Gerichtsverfahrens wiederholt verschoben. Die Rechtsanwälte des "Yogyakarta Legal Aid Institute" (LBH Yogyakarta) werden bei der nächsten Anhörung, die am Montag, den 3. Juli 2017 geplant ist, auf Freispruch für Obby Kogoya plädieren.

Im August 2016 hatte LBH Yogyakarta eine Vorverhandlung eingeleitet, die beweisen sollte, dass die Verhaftung von Obby Kogoya wegen Verstößen gegen der Strafprozessordnung rechtswidrig gewesen war. Bei der Gerichtsverhandlung waren bewaffnete Sondereinsatzkräften der Polizei und Angehörige des Militärs anwesend. Sowohl die Anwälte als auch Obby Kogoya selbst verstanden die Präsenz der Sicherheitskräfte als einen Versuch der Einschüchterung. Trotz der Fotos, welche die Misshandlungen des Studenten während der Festnahme deutlich abbilden, lehnten die Richter es ab, die Anklagen gegen Obby Kogoya fallen zu lassen.
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Hintergrundinfos zum Fall
Am 15. Juli 2016 planten Studenten aus Westpapua eine friedliche Demonstration zur Unterstützung der ULMWP in Yogyakarta. Um 07.00 Uhr blockierten Polizeikräfte das Eingangstor des Studentenwohnheims in der Kusumanegara Straße um die Demonstration zu verhindern. Um 09.40 Uhr versperrten Polizeibeamte auch das Eingangstor an der Rückseite des Wohnheims, wo Einsatzkräfte versuchten die Hintertür des Wohnheims aufzubrechen.

Als der 21-jährige Papua Student Obby Kogoya versuchte, das Wohnheim durch die Hintertür zu betreten, hielten ihn die Polizeibeamte auf und beschlagnahmten sein Motorrad ohne einen Grund anzugeben. Als Obby Kogoya gegen das Vorgehen protestierte, sagte ein Beamter: "Glaubst du, dass die Polizei Angst hat?! Wir können dich fertig machen". Obby Kogoya versuchte darauf hin, in Richtung Kusumanegara Straße zu entkommen. Dabei gab einer der Beamten einen Warnschuss ab. Anschließend drückten mehrere Polizeibeamte Obby Kogoya zu Boden und traten am Körper und am Kopf auf ihn ein. Einer der Beamten steckte seine Finger in Obbys Nasenlöcher und zog ihn mit Gewalt hoch. Ein weiterer Beamter drückte Obbys Gesicht mit seinen Schuhen in den Dreck.

Gegen 10.00 Uhr verhafteten Polizeibeamte grundlos sieben Papua Studenten, die ihren eingekesselten Kommilitonen im Wohnheim Essen bringen wollten. Um 10.40 Uhr versammelten sich etwa 100 Menschen vor dem Schlafsaal, die diskriminierende Ausdrücke wie "Schweine" und "Affen" schrien, während die Einsatzkräfte daneben standen ohne etwas gegen die rassistischen Beleidigungen zu unternehmen. Als Papua Studenten gegen die diskriminierenden Beschimpfungen protestierten, feuerten Polizeibeamte drei Tränengasgranaten in den Vorhof des Wohnheims.

Als eine humanitäre Hilfsorganisation (indonesisches Rotes Kreuz) eintraf, um den eingekesselten Studenten Wasser und Nahrung zu bringen, verweigerte die Polizei den humanitären Helfern den Zugang zum Wohnheim. Die International Coalition for Papua (ICP) reichte einen Bericht über den Vorfall bei den Sonderverfahren des UN-Menschenrechtsrats ein.

Katholiken demonstrieren gegen Bischöfe

altDie fünf Bischöfe der Provinzen Papua und Papua Barat sind unter Beschuss geraten, weil indigene Papuas ihnen vorwerfen, sie würden angesichts der sozialen Ungerechtigkeit in Westpapua schweigen.
 
Am 14. Juni demonstrierte eine Gruppe katholischer Papuas vor dem Maranatha Waena Kloster in Jayapura, wo die Jahrestagung des Erzbischofs Nicolaus Adi Seputra (Merauke) mit Bishof Leo Laba Ladjar (Jayapura), Bishof Aloysius Murwito (Agats-Asmat), Bishof John Philip Saklil (Timika), und Bishof Hilarion Datus Lega (Manokwari-Sorong) stattfand.
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“Die indigene Bevölkerung leidet unter der Ungerechtigkeit und die Bischöfe schweigen, statt ihre Stimme zu erheben. Sie lassen zu, dass unsere Würde zerrissen wird durch unfaire Entwicklungen im Bereich Gesundheit, Bildung und sogar in der Politik“ sagte Christianus Dogopia, Organisator der Proteste. Die örtliche Regierung konzentriere sich nur auf die Entwicklung in städtischen Gebieten, wo die Mehrheit der Einwohner zur nicht-indigenen Bevölkerung gehört. Dogopia führte den Zugang zu medizinischen Einrichtungen als Beispiel an. Soleman Itlay, ein Aktivist aus Papua der selbst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, schloss sich den Protesten an. Viele indigenen Papuas aus entlegenen Gebieten hätten keine Möglichkeit, zur medizinischen Behandlung in die Städte zu fahren.


Bishof Murwito reagierte auf die Demonstration und versprach „wir werden uns ernsthafter mit den Forderungen auseinandersetzen“. Er fügte hinzu, dass die Bischöfe enger mit den Priestern und Gemeindemitgliedern zusammenarbeiten würden, um die Probleme anzugehen.

WPN Jahrestagung
Traum und Wirklichkeit: Westpapua im Pazifik

Von pazifischer Identität der Papua und der Relativierung von Menschenrechten

altGemeinsame Tagung des Westpapua Netzwerks und der kirchlichen Westpapua Partnerschaftsgruppen
26.-28. Januar 2018 in Haus Friede, Hattingen

Papua ist ein Konfliktfall. Was in den deutschen und europäischen Medien – wenn überhaupt, dann ganz am Rande – auftaucht, ist eine der langwierigsten politischen und militärischen Auseinandersetzungen seit dem Ende der Kolonialzeit. Wirtschaftliche und geo-strategische Interessen dominieren über vermeintlich ethnologischen Gegebenheiten.
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Die Papua suchen Orientierung für eine Zukunft in Frieden. Vermehrt finden sich solidarische Partner in der pazifischen Staatengemeinschaft, die das Gewicht dieser bevölkerungsarmen und ressourcenreichen halben Insel neu bewerten. Sie erhöhen den politischen Druck auf Indonesien, bislang jedoch ohne große Aussicht auf Erfolg. Allerdings wird die Welt hellhöriger. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, die EU und viele internationale Organisationen setzen die Menschenrechtsthemen Papuas auf ihre Agenda und bleiben im Gespräch mit Verantwortungsträgern und Betroffenen. Auf diese Weise sorgen sie zumindest mit für das überfällige Ende einer klammheimlichen Entwicklung, die die Papua als ihren Genozid erleben, unter den Augen der Weltöffentlichkeit.
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Das Papua-Partnerschaftsseminar möchte die politische Dimension der aktuellen Ent-wicklungen transparenter machen und Papua-Bilder sowohl im Lande als auch in der Nord-Süd-Arbeit entmythologisieren. Beiträge von Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen aller beteiligten Seiten machen das Seminar zu einer Fachtagung mit erheblicher Relevanz für die Praxis der Partnerschaftsarbeit, der politischen Arbeit und der Entwicklungszusammenarbeit.

Hier können Sie sich anmelden
Hier finden Sie das Programm der Tagung