UN-Hochkomissar besucht Indonesien | Seuchen und Mangelernährung in Asmat | Journalistin ausgewiesen | Unterhaus stellt Fragen zu Westpapua |und mehr PDF Afdrukken E-mailadres
vrijdag 16 februari 2018 07:24
Aktuelle Meldungen zu West Papua über Menschenrechte, Politik, Umwelt und Gesellschaft.

UN-Hochkomissar besucht Indonesien | Seuchen und Mangelernährung in Region Asmat | Journalistin ausgewiesen | Niederländisches Unterhaus stellt Fragen zu Westpapua | Neue Umfrage zu Westpapua | Papua-Studenten systematisch belästigt und diskriminiert | Polizei verhindert friedliche Demo

West Papua Netzwerk
Liebe Freundinnen und Freunde des West Papua Netzwerks,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Situation in Westpapua findet in der internationalen Gemeinschaft immer mehr Beachtung. Der UN-Hochkomissar für Menschenrechte fand bei seiner Indonesienreise Anfang des Monats klare Worte. Eine BBC-Journalistin wurde trotz Arbeitsgenehmigung aus Westpapua ausgewiesen, weil sie ein angeblich missverständliches Foto bei Twitter gepostet hatte. Das niederländische Unterhaus fordert von ihrer Regierung, mehr gegen Polizeigewalt und für Pressefreiheit in Westpapua zu tun. Der Druck auf die indonesische Regierung wächst zurecht - Mangelernährung, Masernepidemien, systematische Diskriminierung und die Einschränkung von Meinungsfreiheit sollten in einem Land wie Indonesien im 21. Jahrhundert kein Thema sein. Jedoch zeigen diese traurigen Nachrichten: in Westpapua wird mit zweierlei Maß gemessen.

In dieser E-Info finden Sie:

  • UN-Hochkomissar besorgt über Situation in Westpapua
  • Seuchen und Mangelernährung in ländlichen Gebieten Westpapuas
  • BBC-Journalistin ausgewiesen, weil ihre Tweets „Gefühle des Militärs verletzen“
  • Zweite Kammer beunruhigt über Situation in Westpapua
  • Umfrage zeigt Wahrnehmung Westpapuas in Indonesien
  • Papua-Studenten systematisch schickaniert
  • Sicherheitskräfte verhindern friedliche Demo

Mit herzlichen Grüßen aus der Koordinationsstelle,

Norman Voß und Thea Hummel

UN-Hochkomissar besorgt über Situation in Westpapua

altDer UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Ra'ad al-Hussein, besuchte vom 5. – 7. Februar 2018 Indonesien. In einer Pressekonferenz am Ende dieser Reise äußerte er unter anderem seine Beunruhigung in Bezug auf die Situation in der Region Westpapua. „Ich bin auch besorgt aufgrund der Berichte über den übermäßigen Einsatz von Gewalt durch Sicherheitskräfte, Drangsalierung, willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen in Papua“.

Er fügte hinzu, dass die indonesische Regierung die UN eingeladen habe, Westpapua zu besuchen. „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir dorthin reisen und selber sehen, was dort passiert […] und ich hoffe, dass dies möglichst bald geschehen kann“. Sein Büro bereite nun eine solche Beobachtungsmission vor. Ein genauer Zeitpunkt ist noch nicht bekannt.


Seuchen und Mangelernährung in ländlichen Gebieten Westpapuas

altMehrere indonesische Nachrichtenagenturen haben erneut vom Ausbruch von Seuchen und Fällen von Mangelernährung in der ostindonesischen Provinz Papua berichtet – die anhaltende Gesundheitskrise in Westpapua ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Regierung es nicht geschafft hat, ein funktionierendes Früherkennungssystem und die Bereitstellung grundlegender Gesundheitsleistungen in peripheren Gegenden Westpapuas zu etablieren. Im Landkreis Asmat starben zwischen September 2017 und Mitte Januar 2018 mindestens 62 Menschen aufgrund von Unterernährung und einer Masernepidemie. Mehrere hundert Dorfbewohner wurden mit Masern infiziert.



BBC-Journalistin ausgewiesen, weil ihre Tweets „Gefühle des Militärs verletzen“

altDie Journalistin Rebecca Henschke wurde Anfang Februar gezwungen, die Region Westpapua zu verlassen, weil Beiträge auf ihrem Twitter-Account angeblich Mitglieder des Militärs gekränkt hätten. Henschke war in der Asmat Region, um über eine Masernepidemie und der einhergehenden Mangelernährung zu berichten, bei der mittlerweile über 60 Kinder gestorben sind.

Rebecca Henschke, die seit 12 Jahren in Indonesien tätig ist, postete bei Twitter unter anderem ein Bild von Warenlieferungen am Hafen und schrieb dazu „dies sind die Hilfsgüter für die extrem unterernährten Kinder in Papua – Instantnudeln, gezuckerte Softdrinks und Kekse“.



Zweite Kammer beunruhigt über Situation in Westpapua

altMitglieder des niederländischen Unterhauses äußerten sich besorgt über die  Situation in West Papua und sprachen von einer "Unterdrückung der indigenen Bevölkerung Westpapuas in Indonesien". Die SGP (deutsch Reformierte Politische Partei) stellte am 7. Februar Fragen zu Westpapua an Außenminister Halbe Zijlstra. Unterstützt wurde sie dabei von der VVD, CDA, D66, ChristenUnie, PVV, GroenLinks, SP und der PvdA.


Umfrage zeigt Wahrnehmung Westpapuas in Indonesien

altDas 'Indonesische Institut für Wissenschaften' (LIPI) und 'Change.org' haben eine Internetumfrage zur Wahrnehmung Westpapuas unter 27.298 indonesischen Staatsbürgern durchgeführt. Die Mehrheit der Befragten bestand aus nicht-papuastämmigen Indonesiern (98%), die zu einem Großteil auch außerhalb Westpapuas leben. Die Umfrage dauerte drei Wochen und umfasste verschiedene Bevölkerungssegmente unterschiedlichen Alters, Bildungsgrads und Geschlechts. Die veröffentlichten Ergebnisse verdeutlichen wie unterschiedlich die Verhältnisse in Westpapua von indigenen Papuas und Indonesiern aus anderen Teilen des Archipels wahrgenommen werden.

Während fast 70% der indigenen Papuas die Situation in Westpapua als “besorgniserregend” oder “sehr besorgniserregend” beschrieben, beurteilten 54% der befragten Indonesier welche als Migranten in Westpapua leben die dortigen Verhältnisse als “gut” oder “sehr gut”.


Papua-Studenten systematisch schickaniert

altPapuans Behind Bars (PBB) hat einen neuen Bericht veröffentlicht, welcher die systematische Belästigung und Einschüchterung von Studenten aus Westpapua in anderen Teilen Indonesiens thematisiert. Der Bericht umfaßt Fälle aus mehreren indonesischen Städten, die sich zwischen September und Dezember 2017 ereigneten. Studentenbewegungen wie die AMP ('Aliansi Mahasiswa Papua') und andere zivilgesellschaftliche Gruppen aus Papua berichteten über mehrere Fälle, in denen Sicherheitskräfte Studenten aus Westpapua willkürlich verhafteten und einschüchterten. In einem Fall kam es auch zu körperlicher Misshandlung.


Sicherheitskräfte verhindern friedliche Demo

altDas Menschenrechtsbüro der Tabernakel Kirche in Papua (KINGMI Papua) hat berichtet, dass indonesische Sicherheitskräfte in der Stadt Moanemani im Landkreis Dogiyai Demonstranten daran hinderten eine friedliche Demonstration zum internationalen Tag der Menschenrechte am 10 Dezember 2017 zu veranstalten. Menschenrechtsverteidiger berichteten, dass schwer bewaffnete Mitglieder der Infanterie (AD), der Luftwaffe (AU), der Polizeispezialeinheiten BRIMOB und DALMAS Straßen blockierten und Demonstranten daran hinderten, eine friedliche Kundgebung vor dem lokalen Parlamentsgebäude von Dogiyai zu veranstalten.