E-Info: Gewalt eskaliert nach Angriff im Hochland | Satire zeigt Realität in Papua | Dokumentarfilm zu ermordeten Kindern | Verhaftungen bei Jubiläum PDF Afdrukken E-mailadres
vrijdag 07 december 2018 10:56
Aktuelle Meldungen zu West Papua über Menschenrechte, Politik, Umwelt und Gesellschaft.

Gewalt eskaliert nach Angriff im Hochland | Satire zeigt Realität in Papua | Dokumentarfilm zu ermordeten Kindern | Verhaftungen bei KNPB-Jubiläum | Veranstaltungshinweise

West Papua Netzwerk

Liebe Freundinnen und Freunde des Westpapua-Netzwerks,
sehr geehrte Damen und Herren,

Für viele Papuas gilt der 1. Dezember als "Unabhängigkeitstag" Westpapuas. Jedes Jahr finden gewaltsame Verhaftungen bei zahlreichen Kundgebungen statt. In diesem Jahr war das erste Dezemberwochenende begleitet von Massenverhaftungen und einem bewaffneten Angriff im Hochland. Seitdem ist die Lage angespannt und mehr Gewalt wird befürchtet. Trotz der Schwierigkeiten, unabhängig über die Menschenrechtsverletzungen in Westpapua zu berichten, finden Aktivisten und Journalisten immer wieder - teils sehr kreative - Wege, auf die Probleme in Westpapua aufmerksam zu machen. Wir stellen Ihnen heute zwei interessante Videos vor. Dieses und mehr finden Sie in der heutigen Ausgabe der E-Infos. Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern eine gute Adventszeit, frohe Festtage und ein gesundes neues Jahr!

In dieser E-Info finden Sie:

  • Gewalt eskaliert nach Angriff mit bis zu 31 Toten im Hochland
  • Film dokumentiert Folgen der Ermordung von Schulkindern durch Sicherheitskräfte
  • Satire-Video erläutert politische Situation in Westpapua
  • Friedliche Versammlung gewaltsam aufgelöst
  • VEM-Länderseminar Indonesien
  • Partnerschaftsseminar Westpapua
Mit herzlichen Grüßen aus der Koordinationsstelle,

Norman Voß und Thea Hummel

Gewalt eskaliert nach Angriff mit bis zu 31 Toten im Hochland

altIn Westpapua ist die Gewalt eskaliert, nachdem bei Nduga im Hochland Westpapuas am 2. Dezember 2018 bis zu 31 Menschen erschossen worden sind.
Die Nationale Befreiungsarmee Westpapuas (TPNPB), eine bewaffnete Gruppe der Unabhängigkeitsbewegung, hat die Verantwortung für den Angriff übernommen. Es gibt aber unterschiedliche und teils widersprüchliche Versionen der Ereignisse seitens der indonesischen Behörden.
Zuvor hatte es Massenverhaftungen hunderter Demonstranten gegeben, die an den Feierlichkeiten zum 1. Dezember teilnahmen.

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Film dokumentiert Folgen der Ermordung von Schulkindern durch Sicherheitskräfte

altEine Gruppe von Menschenrechtsverteidigern drehte  einen Film zur Aufarbeitung des Bloody Paniai Falls vom 7. und 8. Dezember 2014 in Enarotali. Der Kurzfilm mit dem Titel Justice for Murdered Children (Gerechtigkeit für ermordete Kinder) ist Teil der Make West Papua Safe Kampagne und berichtet über die Ermordung von fünf Schulkindern durch die indonesische Polizei und das indonesische Militär. Dort werden die Väter der Kinder und deren Streben nach Gerechtigkeit inmitten der kontinuierlichen Einschüchterungsversuche, die sie erleben, gezeigt. Der Film schildert auch deutlich die Komplizenschaft ausländischer Regierungen, die weiterhin die Sicherheitskräfte Indonesiens mitfinanzieren, ausbilden und bewaffnen und gleichzeitig die staatliche Gewalt in Westpapua verschweigen.

Das Video anschauen (altersbeschränkt!)

Satire-Video erläutert politische Situation in Westpapua

altThe Juice Media ist ein australisches Film- und Medienunternehmen, das zeitgenössische politische und soziale Satire produziert. Ihr neuestes Video ist eine Persiflage eines Werbespots für Tourismus in Westpapua. In gut zweieinhalb Minuten wird (auf englisch) anschaulich die brutale Geschichte der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung Westpapuas sowie das aktive Wegschauen internationaler Regierungen insbesondere der australischen Regierung gezeigt. Finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe für das indonesische Militär, die Verharmlosung von schweren Menschenrechtsverletzungen bis hin zur Bereitstellung von Material für die Grasberg-Mine, die unermesslichen Schaden an der Umwelt und der umliegenden Bevölkerung verursacht hat, werden auf brutal-ehrliche aber gleichzeitig humoristische Weise dargestellt.

Friedliche Versammlung gewaltsam aufgelöst

altDie Polizei von Jayapura hat am 19. November 2018 eine friedliche Versammlung im Studentenwohnheim Pegunungan Bintang in der Wohngegend Perumnas III im Stadtteil Waena aufgelöst. Die Versammlung wurde vom Westpapua-Nationalkommittee (KNPB) anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums organisiert. Die Online-Nachrichtenagentur Suara Papua berichtete, dass 150 Mitglieder der Ordnungskräfte (DALMAS) um 10:15 Uhr die Versammlung gewaltsam auflösten. 107 KNPB-Aktivisten wurden verhaftet und vorübergehend in der Polizeistation Jayapura inhaftiert. Unter den Verhafteten war auch Markus Haluk, Sekretär der United Liberation Movement für West Papua (ULMWP), der KNPB-Vorsitzende Agus Kossay sowie der KNPB-Sekretär Vero Hubi.

VEM-Länderseminar Indonesien

Thema: Indonesien vor den Wahlen
Datum: 11.-12. Januar 2019
Ort: Tagungshaus Auf dem Heiligen Berg, Wuppertal

altDie Präsidentschaftswahlen in Indonesien werden entscheidend sein für die weitere politische, soziale, wirtschaftliche und menschenrechtliche Ausrichtung des Landes. Der amtierende Präsident Joko Widodo geht mit dem islamischen Konservativen Ma’ruf Amin als Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft ins Rennen. Gegenkandidat für das Präsident-schaftsamt ist Ex-General Prabowo Subianto, der für Menschenrechtsverletzungen während der Suharto-Diktatur verantwortlich ist und mit dem Unternehmer Sandiaga Uno als Vize-Kandidaten die Wahl gewinnen möchte. Mit der Ernennung Ma’ruf Amins hat Präsident Jokowi die Unterstützung möglicherweise derer verloren, die für Pluralität, Religionsfreiheit und den Schutz von Minderheiten eintreten.


Partnerschaftsseminar Westpapua

Thema: Kennst du mich? – oder: Wie kann Begegnung zur Partnerschaft werden?
Datum: 25.-27. Januar 2019
Ort: Protestantisches Gemeindehaus Rockenhausen

Partnerschaft ist Mensch gewordenes Vertrauen zueinander. Treue über Entfernungen hinweg. Partner bleiben neugierig aufeinander. Sorgen sich um verletzte Würde. Buchstabieren Nächstenliebe in konkretes Handeln. Und in vorfindliche Strukturen. Immer neu und immer wieder anders. Partner lassen die Politik nicht in Ruhe. Sie übernehmen Verantwortung mit- und füreinander. Partnerschaft will Augenhöhe. Um Gottes und der Menschen willen!

Das Seminar gibt Gelegenheit, eigene Erfahrungen mehr zu verstehen und von denen anderer zu lernen, sich Bedingungen und Entwicklungen am anderen Anfang der Erde neu bewußt werden zu lassen und die europäischen neu in den Blick zu nehmen. So kann die Vielfalt und Tiefe der Papua-Partnerschaften neu und sicher auch dankbar wahrgenommen werden.