E-Info: Todesopfer bei Militäraktion | UN-Hochkommissariat besorgt über Situation in Westpapua | Demonstrationen und Gotttesdienst gewaltsam aufgelöst Afdrukken
donderdag 17 januari 2019 12:11
Aktuelle Meldungen zu West Papua über Menschenrechte, Politik, Umwelt und Gesellschaft.

Todesopfer bei Militärangriffen in Nduga | UN-Hochkommissariat besorgt über Situation in Westpapua | Demonstrationen gewaltsam aufgelöst | Silvestergottesdienst aufgelöst

West Papua Netzwerk
Liebe Freundinnen und Freunde des Westpapua-Netzwerks,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Lage in Nduga im Hochland von Westpapua ist weiterhin sehr angespannt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der indonesischen Armee und der Befreiungsarmee Westpapuas (TPN) hat auch zivile Todesopfer gekostet. Viele Bewohner der Region haben aus Angst ihre Häuser verlassen und sind auf der Flucht. Eine unabhängige Berichterstattung durch nationale und internationale Journalisten wird weiterhin unterbunden.

Friedliche Demonstrationen zur Situation in Westpapua und Gottesdienste in Westpapua selbst und in anderen Teilen Indonesiens werden von den Sicherheitskräften immer wieder gewaltsam aufgelöst. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat diesbezüglich seine Besorgnis ausgesprochen.

In dieser E-Info finden Sie:

  • Hunderte indigene Papuas flüchten aus Angst vor Gewaltakten durch das Militär
  • Nach Militärangriff in Nduga - örtliche Regierung startet Rettungsaktion
  • UN-Hochkommissariat besorgt über Entwicklungen in Westpapua
  • Indonesienweite Gedenkveranstaltungen von gewaltsamen Verhaftungen beschattet
  • Sicherheitskräfte lösen Gottesdienst auf – sechs Besucher verhaftet
Mit herzlichen Grüßen aus der Koordinationsstelle,

Norman Voß und Thea Hummel

Hunderte indigene Papuas flüchten aus Angst vor Gewaltakten durch das Militär

altNachdem Mitglieder der bewaffneten Unabhängigkeitsbewegung West Papuas (TPN-PB) am 2. Dezember 2018 einen Anschlag auf eine Gruppe von Bauarbeitern verübten, verschärft sich die Situation im abgelegenen Landkreis Nduga. Neusten Medienberichten zu Folge wurden bei dem Angriff 15 Bauarbeiter und ein indonesischer Soldat getötet. Am 3. Dezember 2018 sollen TPN-PB-Kämpfer erneut einen Militärposten im Bezirk Mbuwa angegriffen haben. Indonesiche Sicherheitskräfte sind fest entschlossen die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und haben eine groß angelegte Militäroffensive gegen die TPN-PB gestartet. Bei darauf folgenden Feuergefechten sind nach Angaben von Menschenrechstverteidigern und Medien mindestens fünf Soldaten der indonesischen Armee und vier Zivilisten getötet worden. Trotz vereinzelter Informationnen, die aus Nduga nach Außen dringen bleibt die genaue Zahl der Todesopfer unklar – Journalisten und Menschenrechstverteidigern dürfen weiterhin nicht in das Krisengebiet reisen um vor Ort zu recherchieren.

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Nach Militärangriff in Nduga - örtliche Regierung startet Rettungsaktion

altAuf der Internetplattform Youtube wurden im Dezember 2018 zwei neue Videos veröffentlicht, die neue Einblicke in die Situation in der Region Nduga geben, wo bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen dem indonesischen Militär und der Nationalen Befreiungsarmee Westpapuas (TPN-PB) zu einer hohen Zahl von Opfern unter Zivilisten geführt hatten.

Ein Video der BBC Indonesia bietet neue Einblicke in die Ereignisse in der Region Nduga. Es zeigt Interviews mit mehreren mutmaßlichen Opfern der Militärangriffe.

Ein zweites Video zeigt Material, das während einer Rettungsmission aufgenommen wurde. Sie wurde am 13. Dezember 2018 mit dem Ziel gestartet, vier vermisste Bauarbeiter zu finden. Die lokale Regierung hatte ein Team unter der Führung des Vize-Landrats von Nduga und des Parlamentschefs gebildet, um die Leichen der Arbeiter zu evakuieren und indigene Dorfbewohner zu finden, die vor dem Militärangriff in den Dschungel geflohen waren. Das Team hatte Mitglieder der Sicherheitskräfte gebeten, sie nicht zu begleiten, um einen weiteren Schusswechsel und eine zusätzliche Traumatisierung der Bevölkerung zu vermeiden.

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UN-Hochkommissariat besorgt über Entwicklungen in Westpapua

altDie Sprecherin des Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) der Vereinten Nationen verurteilte die Massenverhaftungen, bei denen Demonstranten in verschiedenen Teilen Indonesien festgenommen wurden weil sie an Veranstaltungen zum Gedenken an den 1. Dezember teilnahmen. Viele indigene Papuas feiern den Tag als ihren Nationalfeiertag.

Mehr als 500 Aktivisten wurden am Anfang des Monats in Gewahrsam genommen – auch wenn sie später wieder freigelassen wurden.

Sprecherin Ravina Shamdasan (siehe Bild) erklärte UN News Nachrichtensprecher Daniel Johnson am Freitag, was sich hinter diesen Entwicklungen verbirgt.

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Indonesienweite Gedenkveranstaltungen von gewaltsamen Verhaftungen beschattet

altDer 19. Dezember 1961 ist ein historisches Datum in Indonesien - an diesem Tag startete die indonesische Armee die Trikora-Operation, eine Militäroffensive mit dem Ziel, das ehemalige Kolonialgebiet niederländisch-Neuguinea zu erobern und zu annektieren. In verschiedenen Städten Indonesiens organisierten indigene Papua- und Pro-Papua-Aktivisten am 19. Dezember 2018 friedliche Gedenkfeierlichkeiten. Die Sicherheitskräfte reagierten an mehreren Orten mit Massenverhaftungen oder zerstreuten die Menschenmengen mit Gewalt. Laut Menschenrechtsaktivisten misshandelten Mitglieder der Sicherheitskräfte Demonstranten bei deren Verhaftungen in Jayapura und Ternate in der Provinz Maluku Utara. In der javanischen Stadt Malang wurden 16 friedliche Demonstranten von Polizisten und Teilnehmern einer nationalistischen Gegendemo misshandelt. Ein ähnlicher Vorfall wurde aus Denpasar, Bali, gemeldet, wo die gewaltsame Auflösung durch Polizeibeamte und Mitglieder nationalistischer Massenorganisationen zu Misshandlungen von vier Demonstranten geführt hatte.

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Sicherheitskräfte lösen Gottesdienst auf – sechs Besucher verhaftet

altMenschenrechtsverteidiger und lokale Medien haben über ein weiteres repressives Vorgehen gegen das Westpapua-Nationalkomitee (KNPB) berichtet. Das KNPB ist eine politische Bewegung, die das Recht auf politische Selbstbestimmung für Westpapua durch ein Unabhängigkeitsreferendum fordert. Die Organisation ist landesweit vernetzt und organisiert Gottesdienste und friedliche Demonstrationen. Sie gehört zu den zivilgesellschaftlichen Gruppen Papuas, die einem hohen Maß an Kriminalisierung und politischer Verfolgung durch die indonesischen Strafverfolgungsbehörden ausgesetzt sind. Am 31. Dezember 2018 fand in dem KNBP-Büro in Timika ein Silvestergottesdienst statt, an dem viele Menschen teilnahmen. Um 20.10 Uhr umzingelten ungefähr 200 mit Maschinengewehren bewaffnete Mitglieder der Sicherheitskräfte das KNPB-Büro und zerstreuten die friedliche religiöse Versammlung mit Gewalt.

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