E-Info: Tote und Verletzte bei Unruhen in Westpapua | Studierende bedroht, misshandelt, beleidigt | Schärfere Vorschriften für Forscher | Papua Armee PDF Afdrukken E-mailadres
donderdag 05 september 2019 12:38
Aktuelle Meldungen zu West Papua über Menschenrechte, Politik, Umwelt und Gesellschaft.

Tote und Verletzte bei Unruhen in Westpapua | Studierende bedroht, misshandelt, beleidigt | Schärfere Vorschriften für ausländische Forscher | Neue Westpapua-Armee | Polizei schießt in Menschenmenge nach Wahlen in Asmath

West Papua Netzwerk
Liebe Freundinnen und Freunde des Westpapua-Netzwerks,
sehr geehrte Damen und Herren,

seit einigen Wochen kommt es in mehreren Teilen Westpapuas zu Unruhen - teils mit Toten und Verletzten. Auslöser waren massive Bedrohungen und Gewalt durch Sicherheitskräfte und nationalistische Gruppierungen gegenüber papuanischen Studierenden in Malang, Surabaya und Semarang Mitte August. Friedliche Demonstrationen gegen Rassismus werden gewaltsam aufgelöst, wütende Menschengruppen setzen Gebäude in Brand. Beinahe zwei Wochen wurde das Internet in ganz Westpapua blockiert, um den Informationsaustausch und die Nachrichtenerstattung zu behindern.

In dieser E-Info finden Sie:

  • Unruhen in vielen Teilen Westpapuas - Acht Tote bei Anti-Rassismus-Demo in Waghete
  • Friedliche Demonstranten und Studierende misshandelt, gefoltert und beleidigt
  • Indonesien verschärft Vorschriften für ausländische Forscher
  • Militärfraktionen bilden einheitliche Westpapua-Armee
  • Polizei schießt in Menschenmenge - vier Tote, vier Verletzte
Mit herzlichen Grüßen aus der Koordinationsstelle,

Norman Voß und Thea Hummel

Unruhen in vielen Teilen Westpapuas - Acht Tote bei Anti-Rassismus-Demo in Waghete

altIn der zweiten Augusthälfte wurden die Antirassismus-Kundgebungen in Westpapua von Unruhen, Chaos und gewaltsamen Übergriffen der Sicherheitskräfte begleitet. Die Proteste erfolgten als Reaktion auf rassistische Diskriminierung und Angriffe von Sicherheitskräften und nationalistischen Massenorganisationen auf papuanische Studenten in den javanischen Städten Malang, Surabaya und Semarang Mitte August. Die Demonstranten äußerten auch ihr Bestreben nach politischer Selbstbestimmung und argumentierten, dass Papuas in Indonesien als "Bürger zweiter Klasse" behandelt werden. Die Regierung entsandte zusätzliche Sicherheitskräfte in verschiedene papuanische Regionen und blockierte seit dem 19. August 2019 das Internet in den Provinzen Papua und Papua Barat für mehr als eine Woche, um die Verbreitung von Informationen über soziale Medien zu verhindern und die Berichterstattung der Medien über die aktuelle Situation in Westpapua zu behindern. Der schlimmste Ausbruch von Gewalt wurde aus der Regentschaft von Deiyai gemeldet, wo die gewaltsame Auflösung von Demonstrationen zum Tod von acht Demonstranten führte, 31 weitere wurden verletzt.

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Friedliche Demonstranten und Studierende misshandelt, gefoltert und beleidigt

altAm 15. August 2019 organisierten die Aliansi Mahasiswa Papua (AMP, Allianz papuanischer Studenten) und die Front Rakyat Indonesia untuk West Papua (FRI West Papua, indonesische Volksfront für Westpapua) friedliche Proteste in mehreren indonesischen Städten zum Gedenken an den 57. Jahrestag des New Yorker Abkommens. Parallel dazu fand eine groß angelegte Demonstration in Jayapura, Provinz Papua, statt. Während die friedlichen Demonstrationen in Salatiga und Yogyakarta reibungslos verliefen, lösten Sicherheitskräfte und Mitglieder nationalistischer Massenorganisationen (ORMAS) in den indonesischen Städten Malang und Ternate die friedlichen Versammlungen auf. Die Polizei reagierte mit Massenverhaftungen, die mutmaßlich von Gewaltakten gegen die Demonstranten begleitet wurden.

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Indonesien verschärft Vorschriften für ausländische Forscher

altZwei renommierten australischen Wissenschaftlern wurde die Einreise nach Indonesien verweigert. Die Zeitung Sydney Morning Herald berichtete über das strengere Vorgehen örtlicher Behörden gegen ausländische Forscher.
Die in Australien ansässigen Indonesien-Experten Dr. Ross Tapsell von der Australian National University und Dr. David McRae von der Melbourne University wurden beide in den letzten drei Monaten an der Grenze angehalten und nach Hause geschickt. Die Männer reisten beide zu individuellen Forschungszwecken in das Land, benutzten aber Touristenvisa und nicht ein spezifisches Forschungsvisum, das für die akademische Forschung erforderlich ist - ein Verstoß gegen die Regeln.
Laut akademischen Quellen ist es für Forscher aus der ganzen Welt jedoch durchaus üblich mit einem kostenlosen Touristenvisum nach Indonesien einzureisen, da der Prozess zur Erlangung eines akademischen Visums bis zu sechs Monate dauern kann und lästig ist.

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Militärfraktionen bilden einheitliche Westpapua-Armee

altDie drei wichtigsten Militärfraktionen Westpapuas kündigten am 1. Juli 2019 ihre Vereinigung an, nachdem eine historische Erklärung unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Befreiungsbewegung für West-Papua (ULMWP, United Liberation Movement for West Papua) unterzeichnet wurde. Die "Vanimo-Grenzerklärung" folgt fünf Jahre nach der Vereinigung der drei großen politischen Fraktionen unter der ULMWP.

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Polizei schießt in Menschenmenge - vier Tote, vier Verletzte

altDie gewaltsame Auflösung eines Protestes durch eine Gruppe von Anhängern eines lokalen Wahlkandidaten hat am 27. Mai 2019 im Dorf Basim im Bezirk Fayit, Landkreis Asmath zur Ermordung von vier indigenen Papuas geführt. Vier weitere Demonstranten wurden bei dem Vorfall verletzt. Nach Angaben der lokalen Medien erfolgte der Protest kurz nachdem die örtliche Wahlkommission das Wahlergebnis bekannt gegeben hatte. Um 10.00 Uhr begann ein wütender Mob von etwa 350 Demonstranten, das Haus eines neu gewählten Parlamentsabgeordneten zu zerstören. Drei Militärangehörige – die Unteroffiziere Jamaludin Retop, Eko Saputro und „F.R.“ -, die einen nahegelegenen Militärposten bewachten, versuchten, die Menge mit Schusswaffen zu zerstreuen, anstatt Mittel zur Deeskalation anzuwenden.

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Menschenrechtsbericht 2017 der ICP und des WPN
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Hier finden Sie den aktuellen, englisch-sprachigen Menschenrechtsbericht der International Coalition for Papua.


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