E-Info: Demo zu Weltfrauentag aufgelöst | Zwei Tote durch Militärgewalt | Neues Lernstudio für Kinder | Proteste gegen Aufteilung der Provinzen | uvm PDF Afdrukken E-mailadres
zondag 21 maart 2021 15:34
Aktuelle Meldungen zu West Papua über Menschenrechte, Politik, Umwelt und Gesellschaft.

Weltfrauentag - Polizeit löst Demo auf | Todesfälle in Intan Jaya | Pacific Islands Forum spricht sich für Papua aus | Neuigkeiten im Mordfall Pastor Zanambani | Lernstudio ermöglicht Schulbildung für derzeit 115 Kinder | Entlassung nach 148 Tagen widerrechtlicher Inhaftierung | Brief des Kirchenrates von Westpapua | Proteste gegen Regierungspläne zur Aufteilung von Provinzen | Covid weiterhin ernsthafte Bedrohung für Papua | Verlust traditioneller Lebensmittel in Papua

West Papua Netzwerk
Liebe Freundinnen und Freunde des Westpapua-Netzwerks,
sehr geehrte Damen und Herren,

Demonstrationen finden in Westpapua auch in Coronazeiten statt, denn es gibt vieles, das die Menschen bewegt: Diskriminierung von Frauen, die Pläne der Zentralregierung zur Aufteilung Papuas in weitere Provinzen (verbunden mit mehr Verwaltung und Militär) sowie die Aufklärung von Mord- und Folterfällen, die nur schleppend oder gar nicht vorangehen. Die Sicherheitskräfte gehen mit aller Härte gegen die Demonstrant*innen vor und lösen die friedlichen Versammlungen auf. Es gibt aber, trotz der ernsthafen Bedrohung durch Covid und der obengenannten Probleme, auch Hoffnungsschimmer: ein neues Lernstudio für Kinder für bessere Bildung in Zeiten der Pandemie, einige juristische Erfolge sowie Untersützung seitens der pazifischen Geschwister.

In dieser E-Info finden Sie:

  • Internationaler Weltfrauentag - Polizei löst Demonstrationen in Jayapura auf
  • Zwei weitere Todesfälle in Intan Jaya durch mutmaßliche Gewalt der Sicherheitskräfte
  • Pacific Islands Forum spricht sich vor UN Menschenrechtsrat für den Schutz der Menschenrechte in Westpapua aus
  • Mord an Pastor Zanambani - Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Untersuchungsteams für ein Ende der Gewalt in Intan Jaya
  • Zugang zu formaler Bildung in Westpapua: Lernstudio ermöglicht Schulbildung für derzeit 115 Kinder
  • Entlassung nach 148 Tagen widerrechtlicher Inhaftierung
  • Brief des Kirchenrates von Westpapua
  • Neue Provinz(en) in Westpapua? Friedliche Demonstrationen gegen Pläne der Zentralregierung
  • COVID-19 stellt weiterhin eine ernsthafte Bedrohung für Papua dar
  • Verlust traditioneller Lebensmittel in Westpapua
Mit herzlichen Grüßen aus der Koordinationsstelle,

Barbara Hillebrand, Thea Hummel und Norman Voß

Internationaler Weltfrauentag - Polizei löst Demonstrationen in Jayapura auf

altDie Polizei verhaftete am Montag, den 8. März 2021, neun Demonstrationsteilnehmer*innen in Westpapua und löste die Kundgebungen zum Internationalen Frauentag in Jayapura, der größten Stadt in Westpapua, auf. Als Begründung führte die Polizei Verstöße gegen die Covid-19 Gesundheitsprotokolle an. Die Teilnehmer*innen wurden nach kurzer Zeit wieder entlassen.

Die Kundgebungen wurden von der Papuan Women Alliance zur Feier des Internationalen Frauentages an drei verschiedenen Orten abgehalten: Expo Waena, Perumnas III, und Abepura Circle. Die Polizei löste die Kundgebungen zum Teil bereits nach 30 Minuten auf und nahm mehrere Personen fest, die sich weigerten, den Versammlungsort zu verlassen.

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Zwei weitere Todesfälle in Intan Jaya durch mutmaßliche Gewalt der Sicherheitskräfte

altBerichte aus Intan Jaya bestätigten, dass Ende Februar und Anfang März zwei Zivilisten, ein Mann mit Behinderung und ein Teenager, erschossen wurden. Zeugen behaupteten, dass Sicherheitskräfte, entweder das indonesische Militär oder die Polizei, beide erschossen habe.

Donatus Mirip, 36, wurde angeblich von der TNI (Indonesische Nationalarmee) am 27. Februar 2021 in Kampung Ndugusiga im Bezirk Sugapa, Landkreis Intan Jaya in Papua erschossen. Nach Angaben des katholischen Pastors der Paroki-Gemeinde im Dorf Titigi war das Opfer taub und litt an einer psychischen Störung. Militärvertreter behaupteten, dass Donatus Mirip mit der Nationalen Befreiungsarmee Westpapuas (TPN PB) in Verbindung stand.

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Pacific Islands Forum spricht sich vor UN Menschenrechtsrat für den Schutz der Menschenrechte in Westpapua aus

altIm letzten Herbst berichtete das Westpapua-Netzwerk über das Statement Vanuatus vor der UN Generalversammlung, in dem Vanuatu unter anderem auf die Forderungen des Pacific Islands Forum einging, einen Besuch von Vertretern des OHCHR in Westpapua zu ermöglichen.
Auch in der seit dem 22. Februar laufenden 46. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates sprach sich das Pacific Islands Forum wiederholt für einen Besuch von Vertretern des OHCHR in Westpapua aus. Die Generalsekretärin des Pacif Islands Forum, Meg Taylor, sprach in ihrem Statement neben den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und den Klimawandel als drittes Thema die Menschenrechtssituaton und den anhaltenden bewaffneten Konflikt in Westpapua an, der das Pacific Islands Forum seit mehr als 20 Jahren beschäftigt und seit 2016 zu einem festen Punkt in der Arbeit des Forums wurde.

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Mord an Pastor Zanambani - Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Untersuchungsteams für ein Ende der Gewalt in Intan Jaya

altDas Unabhängige Humanitäre Team für Intan Jaya ist ein Team, das aus einer Reihe von religiösen Führern, Akademikern und humanitären Aktivisten in Papua besteht. Dieses Team wurde als Reaktion auf die Ermordung von Pastor Yeremia Zanambani gebildet, der am 19. September 2020 in Hitadipa, Intan Jaya, ermordet wurde. Dieses Team hat die Dokumentation der mutmaßlichen außergerichtlichen Tötung des protestantischen Pastors Yeremia Zanambani vom 19. September 2020 abgeschlossen. Ihr Bericht dokumentiert die Fakten rund um die Tötung von Pastor Yeremia und beinhaltet eine Analyse des Kontextes der Gewalt in dem Landkreis Intan Jaya, insbesondere zwischen dem indonesischen Militär (TNI) und der Westpapua Befreiungsarmee (TPNPB) in dem Landkreis.

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Zugang zu formaler Bildung in Westpapua: Lernstudio ermöglicht Schulbildung für derzeit 115 Kinder

altNato Tekege (16) wollte zur Schule gehen. Aber er hatte keinen Zugang zu formaler Bildung, und als eine katholische Nonne, Mariecen Kuayo DSY, ihn bat, in ihrem "Lernstudio" zu lernen, nahm er gerne an.
"Ich wollte zur Schule gehen und als die Schwester mich einlud, sagte ich ja", erzählte Tekege kürzlich in einem Telefoninterview mit Jubi.

Tekege ist eines von 115 Kindern, die in dem von Schwester Mariecen Kuayo und ihren Kolleg*innen geleiteten "Lernstudio" in Enarotali, Landkreis Paniai in Papua, lernen.
Die Kinder haben zuvor aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zu formaler Bildung erhalten. Sie sind zum Teil Waisen oder litten unter der Scheidung ihrer Eltern und mangelnder Fürsorge.

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Entlassung nach 148 Tagen widerrechtlicher Inhaftierung

altNach 148 Tagen widerrechtlicher Inhaftierung sprach ein Gericht Agustinus Bebe und Adolfina Sarce Nari am 22. Februar 2021 frei. Das Urteil beendete die 148-tägige willkürliche Inhaftierung der beiden Papuas. Das Ehepaar war am 17. Juli 2020 wegen des Vorwurfs der Erpressung rechtswidrig verhaftet worden, nachdem sie die Zahlung ausstehender Schulden forderten. Die Papuanische Vereinigung von Menschenrechtsanwälten (PAHAM Papua) erklärte, dass die Polizeibeamten bei der Verhaftung gegen mehrere strafprozessrechtliche Bestimmungen verstoßen hätten. So hätten es die Beamten unter anderem versäumt, bei der Verhaftung einen Haftbefehl vorzulegen. Auch wendeten die Beamten Gewalt gegen das Ehepaar an und zwangen sie dazu, ein Geständnis zu unterschreiben. Während ihrer Haft wurde ihnen zudem eine medizinische Behandlung verwehrt.

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Brief des Kirchenrates von Westpapua

altDer Kirchenrat von Westpapua drückte seine Besorgnis über die wiederkehrende Gewalt in Westpapua aus und betonte das Leiden, das die Menschen in Westpapua während der 60 Jahre "Konflikt und Militarismus" ertragen müssen und erwähnte dabei besonders die jüngste Situation in Nduga, Intan Jaya und Mimika.

Die Erklärung wurde während der Gedenkfeier zum 166. Jahrestag der Ankunft der Heiligen Bibel in Westpapua abgegeben.

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Neue Provinz(en) in Westpapua? Friedliche Demonstrationen gegen Pläne der Zentralregierung

altAnfang November berichtete das Westpapua-Netzwerk von dem Beschluss der Zentralregierung, Westpapua zukünftig in fünf Provinzen aufzuteilen. Die Ankündigung erzeugte Unruhe und Proteste.
Ende Januar stellte das Innenministerium entsprechende Pläne vor, die bei Umsetzung, so wird befürchtet, zur Spaltung und Zerstörung der kulturellen Werte von Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit der Papuas führen würden. Insbesondere äußern Stimmen aus Papua Bedenken, dass neue Provinzen noch mehr Militär nach Westpapua bringen würden, da eine Provinz „Anspruch“ auf Stationierung einer bestimmten Militärpräsenz hat.

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COVID-19 stellt weiterhin eine ernsthafte Bedrohung für Papua dar

altDie COVID-19 Task Force der Provinzregierung von Papua teilte mit, dass das Coronavirus weiterhin eine ernsthafte Bedrohung für die Bewohner in der Provinz Papua darstelle.
Bis zum 24. Februar 2021 haben sich allein in der Provinz Papua laut offiziellen Zahlen der indonesischen Regierung über 16000 Personen mit dem Virus angesteckt. In sieben Landkreisen (Deiyai, Dogiai, Intan Jaya, Mamberamo Raya, Nduga, Puncak und Yahukimo) wurden keine Infektionen gemeldet, so die Task Force.

Die Zahl der Anwohner, die sich mit COVID-19 infizieren, steige tendenziell weiter an. Auch die Todesrate zeige einen steigenden Trend an, so ein Sprecher der COVID-19 Task Force in Papua, Silvanus Sumule.

Verlust traditioneller Lebensmittel in Westpapua

altEin Künstler aus Westpapua, Ellya Alexander Tebay, hat sich von der lokalen Speise der Papua, der Süßkartoffel oder "ubi" auf Indonesisch, inspirieren lassen, um seine Klage über die abnehmende Existenz dieser Speise in der Lebenswelt der Papua auszudrücken.

Die Süßkartoffel war lange Zeit das lokale Essen der Papuas, wurde jedoch mehr und mehr durch andere Nahrungsmittel ersetzt, besonders durch Reis. Die Sorge des Künstlers um die abnehmende Beliebtheit der Süßkartoffel bei den Papua-Ureinwohnern deckt sich mit seiner Sorge um die Zukunft des Papua-Volkes selbst. Mit Zeichnungen will der Künstler seine Besorgnis über den Wandel der Nahrungsgrundlagen in Westpapua zum Ausdruck bringen, die für ihn auch einen Kulturverlust darstellen.